Zahl der Asylanträge stieg 2022 um 27,9 Prozent

Exklusiv

Stand: 11.01.2023 10:00 Uhr

Die Zahl der Asylanträge ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen – vor allem im Dezember. Die meisten Antragsteller kamen aus Syrien und Afghanistan. Geflüchtete aus der Ukraine müssen keinen Asylantrag stellen.

Von Michael Stempfle, ARD-Hauptstadtstudio

244.132 Menschen haben im vergangenen Jahr 2022 einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Im Jahr 2021 waren es deutlich weniger, nämlich 190.816.

Michael Stempfle ARD-Hauptstadtstudio

Damit ist die Zahl der nicht-ukrainischen Schutzsuchenden, die in Deutschland Asyl beantragen, um 27,9 Prozent gestiegen. Sie liegt über der sogenannten “Obergrenze” von 200.000 Schutzsuchenden, die vom früheren Bundesinnenminister Horst Seehofer, CSU, als Maßstab herangezogen wurde, allerdings auch umstritten war. Das geht aus einem Bericht des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge – kurz BAMF – hervor, der dem ARD-Hauptstadtstudio exklusiv vorliegt.

Zusätzlich zu diesen Asylantragstellern hat Deutschland im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine aufgenommen, etwa 1.044.000. Sie müssen – aufgrund der Massenzustrom-Richtlinie – keinen Asylantrag stellen.

Erstanträge vor allem aus Syrien und Afghanistan

Die meisten Asylantragsteller im vergangenen Jahr kamen aus Syrien. 70.976 Menschen haben 2022 einen Erstantrag gestellt. Das ist ein Anstieg um 29,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auf Platz zwei landen in der BAMF-Statistik Schutzsuchende aus Afghanistan. 36.358 haben einen Erstantrag gestellt. Auch hier verzeichnet die Behörde einen deutlichen Anstieg, und zwar um 56,2 Prozent.

Die größte Zunahme gibt es offenbar bei Schutzsuchenden aus der Türkei. 23.938 Menschen von dort stellten einen Erstantrag. Das ist laut Statistik eine Zunahme von 238,7 Prozent. Gründe gibt die Statistik dafür nicht an. Möglicherweise hat dies mit der wirtschaftlichen Situation in der Türkei zu tun.

56,2 Prozent positive Bescheide

Insgesamt hat das BAMF im Jahr 2022 in 228.673 Fällen Entscheidungen zu Asylanträgen getroffen. Dabei handelt es sich nicht nur um Erstanträge, – also von Antragstellern, die zum ersten Mal in Deutschland einen Antrag gestellt haben. Zusätzlich werden auch sogenannte Folgeanträge berücksichtigt. Dabei handelt es sich um Antragsteller, die zum Beispiel schon einmal abgelehnt wurden, an deren persönlicher Situation oder in deren Herkunftsland sich etwas verändert hat und die einen weiteren Versuch unternehmen, in Deutschland Asyl zu erhalten.

In 56,2 Prozent aller Fälle hat das BAMF positive Asylbescheide vergeben. So hat die Behörde Asylanträge von syrischen Schutzsuchenden zu 90,3 Prozent positiv entschieden. Bei afghanischen Antragstellern waren dies in 83,5 Prozent der Fall. Anders hingegen sieht es bei irakischen Schutzsuchenden aus. Hier lag die sogenannte Schutzquote bei nur 22,5 Prozent.

Starker Anstieg im Herbst

Auffallend in der Statistik ist, dass die Zahl der Erstanträge im vergangenen Herbst angestiegen ist. Konkret waren es im Dezember 26.672 Anträge. Das ist ein Anstieg zum Dezember 2021 um 94,5 Prozent.

Warum die Zahlen im Dezember gestiegen sind, geht aus der Statistik nicht hervor. Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass Schutzsuchende nicht direkt nach der Einreise einen Asylantrag stellen, sondern erst nach der Registrierung und der medizinischen Untersuchung. Es könnte also durchaus sein, dass Schutzsuchende aufgrund der hohen Anzahl von neu Ankommenden und einem Rückstand von Registrierungen in manchen Bundesländern einige Wochen warten mussten, bis sie einen Asylantrag stellen konnten.

Wie auch in der Gesamtstatistik stellten Syrer auch im vergangenen Dezember die meisten Erstanträge, nämlich 9184. Auf Platz zwei der Statistik für Dezember lagen die afghanischen Schutzsuchenden mit 4780 Erstanträgen, gefolgt von türkischen Schutzsuchenden mit 4138 Erstanträgen.

Die Dauer der Asylverfahren lag im Jahr 2022 – sowohl bei Erst- wie auch bei Folgeanträgen – im gesamten Bundesgebiet bei 7,6 Monaten. Am 31.Dezember 2022 waren Asylverfahren von 136.448 Personen noch nicht vom Bundesamt entschieden.

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