Wenige Ostdeutsche in Führungspositionen bei Bundesbehörden

Stand: 25.01.2023 09:10 Uhr

Aus Sicht des Ostbeauftragten der Bundesregierung, Schneider, sind zu wenige Führungspositionen in Bundesbehörden von Ostdeutschen besetzt. Sie haben einer Statistik zufolge nur knapp 14 Prozent der Spitzenposten inne.

In deutschen Bundesbehörden besetzen auch mehr als 30 Jahre nach der Wende zu wenig aus Ostdeutschland stammende Bürgerinnen und Bürger Führungspositionen. Diese Kritik äußerte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider. Basis ist eine erstmals erhobene Statistik über die personelle Besetzung in den Chefetagen der betroffenen Behörden.

Wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten, wurden für die Statistik mehr als 3600 Positionen in 93 Bundesbehörden untersucht. Dazu zählen unter anderem die Bundesregierung, der Bundestag, das Bundespräsidialamt, der Bundesrat und das Bundesverfassungsgericht sowie sämtliche Bundesgerichte.

Das Ergebnis: Nur 13,9 Prozent aller Führungspositionen sind mit Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern besetzt, die gebürtig aus einem der neuen Bundesländer stammen. Nimmt man als Geburtsorte nur die fünf ostdeutschen Flächenländer ohne Berlin, sind es sogar nur 7,4 Prozent. Und das, obwohl der Anteil an Ostdeutschen in der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik etwa bei 20 Prozent liegt.

“Unbewusste Diskriminierung von Menschen aus dem Osten”

Vor allem in den “höheren Führungsebenen” sei “die Unterrepräsentation besonders stark ausgeprägt”, heißt es in dem Bericht des Ostbeauftragten Schneider, der im Laufe des Tages Thema im Bundeskabinett sein soll. So liegt der Anteil Ostdeutscher in den Leitungsebenen demnach bei 6,8 Prozent, ohne Berlin bei 4,5 Prozent.

Schneider warnte vor einer “Art unbewusster Diskriminierung von Menschen aus dem Osten” und betonte: “Insbesondere für die älteren Generationen im Osten gab es wenig Zugang zu hochdotierten Stellen im öffentlichen Dienst auf Bundes- und Landesebene, da nach der Wende vor allem junge Westdeutsche diese Positionen besetzt haben und bis heute besetzen.”

Schneider plädiert für Selbstverpflichtung der Behörden

Der Ostbeauftragte sprach von einer “nach wie vor ungelösten Aufgabe”, der sich die Bundesregierung annehmen müsse. Nicht nur in der Politik und Verwaltung, sondern auch in der Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Justiz und den Medien müssten mehr aus Ostdeutschland stammende Bürgerinnen und Bürger Führungspositionen erhalten. “Das ist entscheidend für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Stabilität unserer Demokratie”, betonte der SPD-Politiker. Wie es in dem Bericht heißt, fühlten sich viele Menschen aus Ostdeutschland noch immer als “Bürger zweiter Klasse” und “in Eliten zu wenig vertreten”.

Von einer Quote, um in Bundesbehörden mehr Diversität zu erreichen, bei welcher auch Ostdeutsche ausreichend repräsentiert werden, rät Schneider jedoch ab. Stattdessen sollten zunächst Daten zu Geburtsorten systematischer erfasst werden und Bundesbehörden sollten mit Selbstverpflichtungen arbeiten. Auswahlgremien sollen vielfältiger besetzt, Führungskräfte gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet und Netzwerke gefördert werden.

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