Überschwemmungen: UN-Geberkonferenz sammelt für Pakistan

Stand: 09.01.2023 14:34 Uhr

Ein Drittel des Landes überschwemmt, 1700 Tote: Die UN sehen den Klimawandel als Ursache für die Flutkatastrophe in Pakistan und sammeln Geld für den Wiederaufbau und die Klimaanpassung. Auch Deutschland hilft.

Von Sandra Biegger, ARD-Studio Genf

Die heutige Geberkonferenz in Genf wurde mit heißer Nadel gestrickt. Relativ kurzfristig haben die Vereinten Nationen und Pakistan unter anderem Regierungen, Unternehmen und Banken nach Genf eingeladen – Insider sagen, die Organisation über die Feiertage sei eine Herausforderung gewesen.

Sandra Biegger

Der Grund für die Eile: Es ist klar, dass Pakistan den Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen im vergangenen Sommer nicht allein stemmen kann. Und auch gar nicht soll. Denn, so UN-Generalsekretär Antonio Guterres, Pakistan darf die Folgen des Klimawandels ausbaden, ohne diesen wesentlich verursacht zu haben.

Es gibt Verluste. Es gibt Schäden. Die Verwüstung durch den Klimawandel ist real. Von Überschwemmungen und Dürren bis hin zu Wirbelstürmen und sintflutartigen Regenfällen. Und wie immer sind die Länder, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, die ersten, die leiden.

Pakistan sei für weniger als ein Prozent der globalen Emissionen verantwortlich und habe die Klimakrise nicht verursacht – aber es müsse mit ihren schlimmsten Auswirkungen leben, erklärte Guterres in Genf.

Pakistan trage nur wenig zur globalen Erwärmung bei, bekomme die Folgen des Klimawandels aber umso deutlicher zu spüren, sagte UN-Generalsekretär Guterres. Bild: AFP

Ziel: Resistent gegen Klimafolgen werden

Bei der Konferenz in Genf stellt der pakistanische Premierminister Shebaz Sharif die Pläne für den Wiederaufbau vor. Ziel ist es, das Land klimaresistent zu machen. Das heißt, es so wieder aufzubauen, dass kommende Überschwemmungen weniger Schäden anrichten, zum Beispiel indem Häuser oder auch Bahnlinien nicht mehr direkt neben Flüssen errichtet werden. Außerdem ist ein Frühwarnsystem geplant.

Das Land braucht für den Wiederaufbau in den kommenden Jahren umgerechnet 15 Milliarden Euro. Die Hälfte davon soll bei der Konferenz in Genf gesammelt werden. Außerdem will Pakistan langfristige Partner aus dem Bereich der Wirtschaft finden.

“Ich weiß, dass viele Länder in wirtschaftlichen Nöten und extrem unter Druck sind, doch Pakistan braucht eine neue Koalition des Willens. Eine Koalition, die Leben retten kann”, sagt Shebaz Sharf.

Auch Deutschland beteiligt sich

Zu der Konferenz lässt sich auch der französische Präsident Emmanuel Macron zuschalten. Er sagt, sein Land unterstütze Pakistan beim Wiederaufbau mit 360 Millionen Euro, Deutschland kündigt eine zusätzliche Hilfe von 84 Millionen Euro an, die EU gibt für Nothilfe und Wiederaufbau 500 Millionen. Die Organisatoren hoffen, dass sie im Tagesverlauf rund 7,5 Milliarden Spendenzusagen haben werden.

Geld soll dort ankommen, wo es benötigt wird

Die UN wollen darauf achten, dass das Geld auch dort ankommt, wo es ankommen soll. Kurz vor den Überschwemmungen kam in Pakistan ein Bündnis aus Politikern an die Macht, denen in der Vergangenheit immer wieder Korruption vorgeworfen wurde.

Der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms, Achim Steiner, sagt, gerade in Krisenzeiten sei die Gefahr besonders groß, dass Gelder veruntreut werden. Trotzdem dürfe man die Menschen in Pakistan nicht allein lassen.

 Wir haben mit der Regierung in Pakistan vereinbart, ein sehr transparentes System einzusetzen. Die Regierung selbst ist sehr engagiert, dass ein System der Transparenz geschaffen wird für all die Mittel, die jetzt hier in Genf zugesagt werden. Und auch wir als Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen arbeiten an guter Regierungsführung.

Zudem arbeite man an digitalen Techniken, sodass Möglichkeiten, in Zukunft Gelder abzuzweigen, viel weniger möglich seien.

Achim Steiner sagt, es sei nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit und Solidarität, Pakistan jetzt zu helfen. Wenn sich die Lage in dem Land nicht bessere, würden zum einen mehr Menschen von dort fliehen. Zum anderen bestehe die Gefahr, dass sich Teile der Bevölkerung im Nachbarland von Afghanistan politisch radikalisierten.

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