Seltene Erden-Vorkommen in Schweden: Unter Kiruna soll die Zukunft liegen

Stand: 12.01.2023 19:53 Uhr

In Schweden wurde die Entdeckung des wohl größten Vorkommens Seltener Erden in Europa verkündet. Der Zeitpunkt ist kein Zufall, gerade ist EU-Kommission zu Besuch. Ob die Förderung wirtschaftlich sein wird, ist fraglich.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Die Skyline von Schwedens nördlichster Stadt Kiruna besteht nicht aus Häusern, sondern aus einer Halde: Seit Jahren wird hier oberhalb des Polarkreises Eisenerz gefördert. Doch es schlummern noch mehr Schätze tief in der Erde: Dass es hier Seltene Erden gibt, ist schon länger bekannt.

Doch der Umfang war lange nicht klar, so Jan Moström, Geschäftsführer des Bergbauunternehmens LKAB: “Es ist Europas größtes, bekanntes Vorkommen an Seltenen Erden. Seltene Erden sind die Grundvoraussetzung für die Elektrifizierung. Es ist also ein enorm wichtiger Fund für uns. Man kann sagen, es ist der Kern für Europas Führungsrolle in der industriellen Produktion.”

Fund von geopolitischer Bedeutung

Geradezu euphorisch verkündete der Geschäftsführer des staatlichen Unternehmens die Neuigkeit – gemeinsam mit Schwedens Wirtschafts- und Energieministerin Ebba Busch von den Christdemokraten. Ein Sensationsfund in und für Europa – so klingt es: “Die geopolitische Bedeutung kann nicht hoch genug gehängt werden. Wir haben hoffentlich eine Chance, weniger abhängig von Importen aus China zu werden.”

Bislang dominiert China den Weltmarkt als wichtigster Lieferant für die Metalle, die in Smartphones, Elektromotoren oder Windkraftanlagen verbaut sind. Doch im Vergleich zu einer Million Tonnen Seltene Erd-Oxide in Schweden sollen in China Reserven von 44 Millionen Tonnen lagern. Auch in anderen Ländern wie Russland gibt es im Boden noch deutlich mehr Schätze zu bergen als in Kiruna.

Zweifel an der Wirtschaftlichkeit

Thomas Hillebrandt, Geowissenschaftler und Wissenschaftsredakteur beim SWR, macht deshalb ein Fragezeichen an die wirtschaftliche Bedeutung der Vorkommen in Schweden: “In Deutschland gibt es meines Wissens nach Vorkommen fast in einer ähnlichen Größenordnung. Die aber einfach nicht wirtschaftlich sind. So lange man dann vielleicht den Faktor 100 an Produktionskosten braucht im Vergleich dazu, das ganze aus China zu importieren – solange wird sich das nicht lohnen. Über den Preis wird sich entscheiden, aus welchen Quellen man Seltene Erden bezieht.”

Abbau erst in Jahren

Es wird sich noch zeigen, wie viel am Ende aus Schweden verkauft wird und vor allem wann. Denn zunächst muss LKAB eine Zulassung für den Abbau beantragen, so Geschäftsführer Moström: “Wenn wir die Mine gemäß der heute geltenden Genehmigungsverfahren etablieren, dauert es noch zehn bis 15 Jahre. Soll die grüne Umstellung gelingen, müssen wir diesen Prozess deutlich beschleunigen, denn technisch gesehen geht es viel schneller.”

Das haben auch die Vertreter der EU-Kommission gehört, die in diesen Tagen in Kiruna zu Gast sind. Schweden übernimmt gerade den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft – und die Meldung über die Vorkommen Seltener Erden wurde sicherlich nicht zufällig genau jetzt veröffentlicht. Die EU-Kommission hatte bereits in Aussicht gestellt, Minenprojekte wie das in Kiruna künftig stärker fördern zu wollen.

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