Selenskyj im ARD-Interview: “Wenn ihr ‘Leopard’-Panzer geben könnt, dann gebt sie”

Stand: 19.01.2023 19:32 Uhr

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat die Bundesregierung im Interview mit der ARD scharf kritisiert. Es sei nicht in Ordnung, sich nur an anderen Ländern, anstatt an den eigenen Möglichkeiten zu orientieren. “Wir müssen überleben”, sagte Selenskyj.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bundesregierung im Exklusiv-Interview mit der ARD scharf kritisiert. Sich bei möglichen Waffenlieferungen an anderen Ländern zu orientieren, anstatt an den eigenen Möglichkeiten, sei nicht in Ordnung. “Es ist nicht die Zeit des Handels, es die Zeit des Überlebens. Wir müssen überleben”, sagte Selenskyj.

Selenskyj: Hilfe in der Not ist kein Wettbewerb

Der Westen könne noch ein halbes Jahr weiter diskutieren, aber “bei uns sterben jeden Tag Menschen”, sagte der Präsident und forderte: “Wenn ihr Leopard-Panzer habt, dann gebt sie uns.” Die Ukraine verteidige sich und habe nicht vor, Russland anzugreifen.

Mit Unverständnis blicke Selenskyj auf die deutsche Haltung, bei Waffenlieferungen keine Alleingänge machen zu wollen. Jemandem in Not Hilfe zu leisten, sei kein Wettbewerb, so Selenskyj. Zugleich dankte er der Bundesregierung für bisher gelieferte Hilfspakete.

ARD-Brennpunkt und Selenskyj-Interview

Zum Thema Panzerlieferungen an die Ukraine können Sie um 20:15 Uhr einen 30-minütigen Brennpunkt hier im Livestream sehen.

Das ausführliche Interview mit Selenskyj sehen Sie direkt im Anschluss um 20:45 Uhr auf tagesschau24 oder hier im Livestream.

Scholz steht unter Druck – und stellt Bedingungen

In den vergangenen Wochen hatte sich der internationale Druck insbesondere auf Kanzler Olaf Scholz stetig verstärkt. Die Bundesregierung solle wenigstens Lieferungen von “Leopard”-Panzern anderer Länder an die Ukraine genehmigen, noch besser aber zusätzlich eigene “Leoparden” liefern. Aufgrund deutscher Bestimmungen muss die Bundesregierung die Lieferung deutscher Waffensysteme genehmigen, egal welches Land sie exportieren will.

Scholz betonte immer wieder, keine “Alleingänge” machen zu wollen – auch nachdem Großbritannien die Lieferung eigener “Challenger”-Kampfpanzer angekündigt hat.

Zuletzt berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass Scholz gegenüber den USA Bedingungen formuliert habe: Deutschland werde die “Leoparden” nur freigeben, wenn die USA im Gegenzug eigene Kampfpanzer vom Typ “Abrams” liefern. Vertreter der US-Regierung machten aber gegenüber verschiedenen Medien deutlich, dass Washington dies derzeit nicht plane. Zu wartungsintensiv, zu kompliziert seien die eigenen Panzer.

Militärexperten wiesen daraufhin, dass eine Vielzahl verschiedener Kampfpanzermodelle die Logistik verkomplizierten, was für die Ukraine nicht wünschenswert sei.

Mit Informationen von Rebecca Barth, WDR, zzt. in Kiew

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