Polizei holt letzte Aktivisten aus dem Fechenheimer Wald

Polizisten haben im Fechenheimer Wald alle Aktivisten aus Baumhäusern geholt. Der Polizeipräsident zeigte sich “sehr zufrieden” mit dem Einsatz. Parallel dazu wurde weiter gerodet.

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Fechenheimer Wald in Frankfurt ist geräumt


Aktivisten und Polizisten auf Baumhäusern.

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Die Räumung des Fechenheimer Waldes im Osten von Frankfurt ist am Freitag abgeschlossen worden. Zuletzt hatten sich dort noch sieben Umweltaktivistinnen und -aktivisten aufgehalten. Seit dem Morgengrauen waren Spezialkräfte der Polizei im Einsatz, um die letzten in Baumhäusern verbliebenen Aktivisten auf den Boden zu holen. Alle Personen seien sicher am Boden, konnte die Polizei noch vor Mittag Vollzug melden. Verletzt worden sei niemand.

Parallel dazu wurde weiter gerodet, am Rand des Geländes waren bereits Planierfahrzeuge im Einsatz. Auch das Geräusch von Motorsägen war immer wieder zu hören.

Polizeipräsident Stefan Müller lobte den Verlauf der Räumung. Beide Seiten hätten sich sehr gut verhalten, sagte er dem hr. Die Polizei habe den Anspruch gehabt, dass keiner verletzt werde. “Bis jetzt haben wir das sehr gut hinbekommen.” Insgesamt sei er “sehr zufrieden”.

Aktivistin: “Kampf ist nicht verloren”

“Vorbei ist es noch lange nicht”, sagte eine Aktivisten dem hr. “Nur weil hier jetzt vielleicht der Wald gerodet wird, heißt es ja noch lange nicht, dass der Kampf verloren ist.” Was die Ausbaugegner und -gegnerinnen antreibe, könne man nicht räumen.

Für den Abend war von den Gegnern nach eigenen Angaben eine Mahnwache geplant. Die A66 bleibt laut Polizei zwischen den Anschlussstellen Bergen-Enkheim und Maintal voraussichtlich bis Sonntagabend gesperrt. Nach Auskunft der Autobahn GmbH sollen am Freitag der Kran abgebaut und eine geschotterte provisorische Straße ausgebaut werden.

Weitere Informationen

Liveticker zur Räumung des Fechenheimer Waldes

In unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Geschehnisse im Fechenheimer Wald im Frankfurter Osten auf dem Laufenden.

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Mehrere Menschen vorübergehend in Gewahrsam

Den zweiten Einsatztag am Donnerstag hatte die Polizei als “erneut friedlich und ohne Verletzte” bilanziert. Bei frostigen Temperaturen standen die höher gelegenen Baumhäuser und andere Konstruktionen in den Baumkronen im Mittelpunkt.

“Mehr als die Hälfte der Baumhäuser und Strukturen wurde im Laufe des Tages geräumt, Personen wurden sicher zu Boden gebracht”, berichtete die Polizei nach Ende des Einsatzes. Vorübergehend seien sieben Personen in Gewahrsam genommen und fünf von ihnen vorläufig festgenommen worden; unter anderem wegen Hausfriedensbruchs, Widerstands und fehlender Personalien.

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Polizei und Höhenretter räumen Baumhäuser im Fechenheimer Wald


hessenschau vom 19.01.2023

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Höhenretter im Einsatz

Da sich ein paar Aktivisten auf einem sogenannten “High Pod”, einer Baumhauskonstruktion in 15 Metern Höhe, aufhielten, setzte die Polizei speziell ausgebildete Höhenretter ein. Diese seilten sich von einem Kran auf den “High Pod” ab. Andere Aktivisten wurden mit Hebebühnen von niedrigeren Plattformen geholt, wo sie sich mit Seilen befestigt hatten.

Während des Einsatzes der Höhenretter waren schwere Harvester in dem Waldstück vorgerückt und fällten die teils dicken Stämme, als wären sie Streichhölzer. Auch der Kampfmittelräumdienst war am Donnerstag parallel im Einsatz und sondierte die Rodungsfläche.

Die Aktivisten kommentierten den Polizeieinsatz am Donnerstag zwiespältig: Auf dem ersten Blick sehe es so aus, “als würde die Polizei die Räumung nach dem Motto ‘Sicherheit vor Schnelligkeit’ durchziehen”, sagte eine Sprecherin. “Bei genauerem Hinsehen sieht man allerdings deutlich fahrlässiges Vorgehen der Polizei.” Eine Person befinde sich im Krankenhaus, sei aber “okay”.


Grafik zur Rodung des Fechenheimer Waldes

Verkehr durch die Stadt führt zu Lärm und Luftverschmutzung

Kräfte aller hessischen Präsidien sowie der Bundespolizei sind seit Mittwoch in dem Waldstück im Einsatz. Das Ziel: Die Ausbau-Gegner sollen das Gebiet verlassen, damit die Autobahn GmbH des Bundes die Bäume fällen und zwei Baustraßen auf der Fläche anlegen kann.

Der Weiterbau der A66 und ihr Anschluss an die A661 durch den geplanten Riederwaldtunnel zählen seit Mitte der 1980er-Jahre zu den politischen Dauerbrennern in Hessens größter Stadt. Bislang endet die A66 aus Richtung Fulda kommend gut zwei Kilometer vor der A661. Der Verkehr fließt daher laut der Autobahn GmbH West durch den Osten der Stadt und führe häufig zu Staus, Lärm und Luftverschmutzung.

Halber Hektar Waldfläche für Heldbockkäfer

Für den Bau des gut einen Kilometer langen Riederwaldtunnels mit zwei Röhren müssen der Autobahngesellschaft zufolge etwa 2,2 Hektar Wald gefällt werden. Das entspricht in etwa der Größe von drei Fußballfeldern. Ein weiterer halber Hektar Waldfläche bleibe vorübergehend als Lebensraum für den geschützten Heldbockkäfer bestehen.

Nach Angaben des Landes Hessen wurden bereits im Jahr 2018 als Ausgleich etwa 12.000 junge Bäume im Stadtteil Schwanheim im Westen Frankfurts gepflanzt. Die Bauzeit für den Tunnel wird auf rund acht Jahre veranschlagt, das Projekt soll 2031 beendet sein.

Gerichtlicher Aufschub gescheitert

Die Bemühungen der Umweltschützer, gerichtlich einen Aufschub der Räumung zu erwirken, waren zuvor gescheitert. Am Dienstag hatte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel einen Eilantrag der Naturfreunde Deutschland abgewiesen, in dem ein Aufschub der geplanten Rodungsarbeiten gefordert wurde.

Bereits am Montag war der Widerspruch eines Waldbesetzers vom Frankfurter Verwaltungsgericht (VG) abgewiesen worden. Am Mittwoch scheiterte der Aktivist damit auch vor dem VGH. Außerdem hatte er einen Eilantrag gegen die Räumung der Polizei gestellt, der vom Verwaltungsgericht Frankfurt ebenfalls am Mittwoch zurückgewiesen wurde.

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