Noch viele Vermisste nach Raketenangriff auf Dnipro

Stand: 15.01.2023 21:39 Uhr

30 Menschen wurden bereits tot geborgen, etwa ebenso viele werden noch vermisst: Rettungskräfte versuchen weiter, Überlebende in dem zerstörten Wohnblock in Dnipro zu finden, den Russland am Samstag beschossen hatte.

Nach dem Einschlag einer russischen Rakete in ein Hochhaus in der zentralukrainischen Stadt Dnipro werden laut Präsident Wolodymyr Selenskyj noch immer Dutzende Bewohner vermisst. Rettungskräfte suchten in den Trümmern des Wohnhauses weiter nach mehr als 30 Menschen, sagte der ukrainische Staatschef in seiner Videoansprache:

Wir kämpfen um jeden Menschen. Und die Rettungsarbeiten werden so lange andauern, wie auch nur die geringste Chance besteht, ein Leben zu retten.

Bisher wurden 30 Tote aus den Trümmern geborgen. Die Hoffnungen, dass bei winterlichem Frost noch Verschüttete lebend gefunden werden, sinken stündlich. Rettungskräfte berichteten, sie hörten Schreie unter den Trümmern.

Bürgermeister rechnet mit Dutzenden Toten

Bürgermeister Borys Filatow erklärte, er rechne mit Dutzenden Toten. Einer Sprecherin des Regionalgouverneurs zufolge liegen noch 30 Verletzte im Krankenhaus. Der Vorsitzende des Regionalparlaments, Mykola Lukaschuk, sprach von insgesamt 73 Verletzten. Ein Teil des Gebäudes war vollständig zerstört worden. Nach offiziellen Angaben wurden bis zum Sonntagmorgen 38 Menschen, darunter sechs Kinder, gerettet.

Selenskyj wendet sich an Bürger Russlands

Selenskyj dankte in seiner Videoansprache für die internationale Anteilnahme. Er sprach auf Russisch die Menschen im Nachbarland an: 

Ich möchte mich an alle in Russland wenden, die nicht einmal jetzt ein paar Worte der Verurteilung für diesen Terror haben, obwohl sie alles klar sehen und verstehen. Euer feiges Schweigen wird nur damit enden, dass diese Terroristen eines Tages auch hinter euch her sein werden.

Rettungskräfte beseitigen Trümmer des beschädigten Wohnhauses in Dnipro. Bild: EPA

Russland bestätigt Angriffe

Der ukrainische Generalstab erklärte, Russland habe am Samstag drei Angriffswellen gestartet und dabei unter anderem 57 Raketen eingesetzt. 26 davon seien abgeschossen worden. Die ukrainische Armee-Abteilung im Süden erklärte, Russland habe nur die Hälfte der Marschflugkörper abgefeuert, die es im Schwarzen Meer in Bereitschaft gebracht habe. “Das zeigt, dass sie noch Pläne haben”, sagte Sprecherin Natalia Humeniuk.

Die Angriffe trafen auch Teile der Infrastruktur in Kiew und anderen Orten. Behörden teilten mit, dass die Stromversorgung in der Hauptstadt und weiten Teilen des Landes eingeschränkt sei. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Raketen-Angriffe und erklärte, alle Ziele seien getroffen worden.

Dunkelgrün: Vormarsch der russischen Armee. Schraffiert: Von Russland annektierte Gebiete. Bild: ISW/14.01.2023

Lage in Soledar und Bachmut unklar

Unklar blieb die Lage im besonders umkämpften Soledar und Bachmut im Osten der Ukraine. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, es seien Geländegewinne im Raum Bachmut gelungen, russische Soldaten näherten sich den nördlichen Vororten der Stadt.

Präsident Wladimir Putin zeigte sich zufrieden und sprach von einem positiven Trend. “Ich hoffe, unsere Kämpfer werden uns mit mehr Ergebnissen ihrer Gefechte erfreuen”, sagte er im Sender Rossija 1. Alles laufe nach Plan.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

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