NASA und Boeing arbeiten an CO2-ärmeren Flugzeugen

Stand: 19.01.2023 15:49 Uhr

Die US-Raumfahrtbehörde NASA arbeitet zusammen mit Boeing an einem klimaschonenderen Flugzeug. Die Maschine soll mit 30 Prozent weniger Treibstoff auskommen und knapp ein Drittel an Emissionen einsparen.

Die Flügelspannweite des Flugzeugs wird länger – der Treibstoffverbrauch geringer. Für das gemeinsame Projekt “Sustainable Flight Demonstrator” arbeiten die US-Raumfahrtbehörde NASA und US-Flugzeughersteller Boeing zusammen an einem klimaschonenderen Passagierflugzeug. Der Chef der Weltraumbehörde, Bill Nelson, gab gestern bekannt, dass Boeing den Zuschlag für das Vorhaben erhalten habe.

Zweck des milliardenschweren Projekts ist die Entwicklung eines treibstoffeffizienteren und umweltschonenderen Flugzeugs: 30 Prozent weniger Emissionen und 30 Prozent weniger Treibstoff ist das selbsterklärte Ziel. “Wenn wir erfolgreich sind, könnten wir diese Technologien in Flugzeugen sehen, die in den 2030er Jahren in die Luft gehen”, betont NASA-Chef Nelson.

Grundlage für Bau der nächsten Generation

Dafür stellt die Raumfahrtbehörde Boeing knapp 425 Millionen Dollar zur Verfügung. Boeing und seine Industriepartner investieren weitere 725 Millionen Dollar. Kleinere und mittelgroße Flugzeuge mit einem Mittelgang – auch Single-Aisle-Flugzeuge genannt – sind der Raumfahrtbehörde zufolge für beinahe die Hälfte der weltweiten Luftfahrtemissionen verantwortlich. Der “Climate Action Plan” von US-Präsident Joe Biden sieht unter anderem vor, diese Emissionen bis 2030 um 20 Prozent zu senken. Bis 2050 sollen die Treibhausgase in dem Sektor auf Null reduziert werden. Das Projekt soll dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Bis Ende des Jahrzehnts sollen die Tests mit dem Demonstrationsflugzeug durchgeführt sein. Dann könnten die Technologie und die Entwürfe dahinter als Grundlage für den Bau der nächsten Single-Aisle-Generation dienen. Der Vorstandsvorsitzende von Boeing, Dave Calhoun, sagte noch im November, dass die nächsten völlig neuen Verkehrsflugzeuge des Flugzeugherstellers nicht vor Mitte der 2030er Jahre zu erwarten seien – und dass die Verbesserung der Emissionen ein wichtiger Faktor sei.

Boeing und NASA arbeiten an einem gemeinsamen Flugzeug mit weniger Emissionen. Die Flügel dürften dabei länger werden. Bild: NASA

Längere und dünnere Flügel

Technologien und Daten der Raumfahrtbehörde NASA finden dabei nicht das erste Mal Einzug in die kommerzielle Luftfahrt. “Die NASA hat die Luftfahrt nachhaltiger und zuverlässiger gemacht – es liegt in unserer DNA”, sagte Nelson nicht ohne Stolz. Bei der Bekanntgabe der Kooperation zeigte er bereits ein kleines Modell des “Sustainable Flight Demonstrators”, der 2028 erstmals abheben soll. Es hat dünnere Flügeln, die durch diagonale Streben gestützt werden.

Das Konzept der längeren Tragflächen von Boeing wird als “Transonic Truss-Braced Wing” bezeichnet. Die Flügel sollen eine Spannweite von knapp 52 Metern haben. Zum Vergleich: Bei der Boeing 737 MAX beträgt die Spannweite rund 36 Meter. Die längeren Flügel könnten Boeing zufolge fortschrittlichere Antriebssysteme aufnehmen, die durch einen Mangel an Platz unter den Flügeln der heutigen Maschinen begrenzt seien. Zudem erzeugen sie aufgrund ihrer Form einen geringeren Luftwiderstand, der weniger Treibstoff verbraucht.

Nelson betonte dabei, dass dies nicht nur der Umwelt und der kommerziellen Luftfahrtindustrie zugute komme, sondern auch den Passagieren weltweit. Mit dem geringeren Verbrauch werde das Fliegen günstiger.

Airbus arbeitet an Wasserstoff-Flugzeug

Auch Boeing-Konkurrent Airbus arbeitet unter Hochdruck an umweltfreundlicheren Passagierflugzeugen. Bis 2035 will der europäische Flugzeugbauer ein marktreifes Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen und damit CO2-neutrales Fliegen ermöglichen. Mit 100 bis 200 Sitzplätzen könnte die Maschine etwa die Kapazität wie die heutigen Mittelstreckenjets der A320neo-Familie bieten.

Derzeit arbeitet der Konzern mit Triebwerksherstellern und anderen Partnern an den Grundlagen. Bis etwa 2025 soll das grundsätzliche Konzept stehen. 2027 oder 2028 soll die Entwicklung offiziell angeschoben werden.

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