Nach Messerattacke im Regionalzug noch immer viele Fragen offen

Stand: 26.01.2023 07:23 Uhr

Zwei Menschen sind tot, insgesamt acht wurden verletzt. Am Tag nach dem Messerangriff in einem Zug bleiben noch immer viele Fragen offen. Bestätigt ist jedoch: Der mutmaßliche Täter wurde erst vor wenigen Tagen aus der Haft entlassen.

Nach dem tödlichen Angriff in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg sind noch viele Fragen unbeantwortet. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen ihre Ermittlungen zu der Attacke, bei der zwei Menschen starben und sieben verletzt wurden, am Tag nach der Tat weiter fortsetzen.

Das Verbrechen hatte am Mittwochnachmittag einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften ausgelöst und weit über Schleswig-Holstein hinaus für Entsetzen gesorgt. Ein 33 Jahre alter staatenloser Palästinenser soll während der Fahrt auf mehrere Fahrgäste eingestochen haben. Ein vergleichbar schweres Gewaltverbrechen in einem Zug gab es nach Angaben von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) in Schleswig-Holstein noch nicht.

Identitäten der Opfer bislang unbekannt

Zwei Opfer starben, sieben Menschen wurden nach ersten Erkenntnissen verletzt. Zudem wurde auch der mutmaßliche Täter, den Zeugen überwältigten, verletzt. Zu den Identitäten der Opfer gab es bislang noch keine Angaben, sie seien noch nicht zweifelsfrei geklärt, teilte die Polizei mit.

Schleswig-Holsteins Innenministerium ordnete Trauerbeflaggung an. An den Dienstgebäuden aller Behörden und Dienststellen des Landes werden die Fahnen auf Halbmast wehen, wie Innenstaatssekretärin Magdalena Finke mitteilte. Am Mittag wollen sich Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) und der Leiter der Polizeidirektion Itzehoe, Frank Matthiesen, bei einer Pressekonferenz in Kiel zum Stand der Ermittlungen äußern.

Mutmaßlicher Täter könnte geistig verwirrt sein

“Die Hintergründe sind noch unklar”, sagte eine Polizeisprecherin. Es gab erste Hinweise, dass der mutmaßliche Angreifer geistig verwirrt sein könnte, wie die Nachrichtenagentur dpa auf Berufung von Sicherheitskreisen berichtet. Nach vorläufigen Erkenntnissen war er in Norddeutschland bislang nicht als Extremist aufgefallen.

Nach Informationen von “Spiegel” und “Welt” soll der Mann aber mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, laut NDR mehrfach vorbestraft sein. Wie dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr, soll er bis letzte Woche inhaftiert gewesen sein. Sütterlin-Waack sagte am Mittwochabend im NDR, dass der Mann vor sechs Tagen aus der Haft entlassen worden war.

Zeugen überwältigen Angreifer

Nach bisherigen Erkenntnissen griff der Mann gegen 14.55 Uhr in der Regionalbahn Fahrgäste mit einer Stichwaffe an. Die Ermittler befragten mehrere Zeugen aus dem Zug, der mit rund 120 Fahrgästen besetzt war. Offenbar konnten Fahrgäste Schlimmeres verhindern, sie überwältigten den Angreifer und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei am Bahnhof in Brokstedt fest.

Nach der Tat drückte auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) den Betroffenen ihr Mitgefühl aus: “All unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser furchtbaren Tat und ihren Familien.” Dies sei eine “erschütternde Nachricht”. Die Hintergründe der Tat würden jetzt “mit Hochdruck aufgeklärt”.

Sütterlin-Waack traf noch am frühen Abend in Brokstedt ein. “Es ist ganz furchtbar. Wir sind alle völlig erschrocken und entsetzt, dass sowas passiert ist”, sagte sie, dem NDR. Sie sei “in Gedanken bei den Familien und Angehörigen der Opfer” und danke “den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die den Täter festgenommen haben sowie allen Rettungskräften, die die Verletzten versorgt haben”, hieß es in einer Mitteilung ihres Ministeriums. Bundes- und Landespolizei arbeiteten eng zusammen.

Günther: “Das ist ein furchtbarer Tag”

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach in Kiel von einer schrecklichen und sinnlosen Tat, die zwei Menschen das Leben gekostet habe. “Schleswig-Holstein trauert – das ist ein furchtbarer Tag”, sagte der Ministerpräsident. Er denke an alle, die trauerten und um die Verletzten bangten. Er sei in Gedanken und Gebeten bei den Menschen, bei den Angehörigen. Günther dankte den Einsatzkräften für deren Arbeit und auch denen, die sich um die Passagiere und Zeugen im Zug sowie um die Verletzten gekümmert hätten.

Auch die Deutsche Bahn sprach den Angehörigen der Opfer tiefes Mitgefühl aus. “Den Verletzten wünschen wir eine baldige und vollständige Genesung.”

Der Zugverkehr zwischen Flensburg und Hamburg sowie zwischen Kiel und Hamburg war am Mittwoch zunächst stark beeinträchtigt gewesen. Verbindungen in Richtung Norden wurden großräumig umgeleitet. Nach knapp sechs Stunden hatte die Polizei den Bahnhof in Brokstedt wieder freigegeben. Der Verkehr auf der Strecke lief langsam wieder an.

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