Marktbericht: Nur schwache Gegenbewegung im DAX

Marktbericht

Stand: 20.01.2023 09:53 Uhr

Der Start in die Tech-Berichtssaison in den USA ist gelungen. Das schiebt auch den DAX wieder etwas an. Doch die Erholungsbewegung nach dem gestrigen Kursrutsch sieht bislang nicht sehr überzeugend aus.

Der DAX ist mit Gewinnen in den letzten Handelstag der Woche gestartet. Zur XETRA-Eröffnung notieren die deutschen Standardwerte 0,4 Prozent höher bei 14.986 Punkten. Doch der Sprung zurück über die 15.000-Punkte-Marke bleibt dem deutschen Börsenbarometer zunächst verwehrt.

So wichtig sind jetzt die 14.800/15.000 Punkte im DAX

Damit rückt das gestrige Tagestief bei 14.906 Zählern wieder in den Fokus der Anleger. Sollte der DAX darunter rutschen, würde er neue Abwärtsdynamik entfalten. Dann dürfte ein Test der 14.800-Punkte-Marke nur noch eine Frage der Zeit sein.

Zwar war eine Korrektur mit Blick auf die starke Jahresanfangsrally im DAX überfällig und ist auch aus technischer Sicht mehr als gesund, wie Jochen Stanzl, Chefanalyst beim Broker CMC Markets, betont. Doch die Verteidigung der Unterstützungszone bei 14.800/15.000 Punkten ist nun zentral, wollen die DAX-Bullen größeren technischen Schaden und eine Ausdehnung der Korrektur verhindern.

Kleiner Verfallstag

Gut möglich auch, dass heute die Terminmarktakteure versuchen, das Geschehen im DAX zu beeinflussen, immerhin ist kleiner Verfallstag. An der Terminbörse Eurex verfallen Optionen auf Indizes und Einzelaktien.

“Der Januar ist zwar ein eher kleinerer Verfallmonat. Aber die Tatsache, dass die größte auslaufende DAX-Position der Call mit einem Basispreis bei 15.000 Punkten ist, macht den Verfall doch brisant”, erklärt Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Die 15.000er-Marke werde damit zum Maß aller Dinge.

Erzeugerpreise fallen erneut

Positive Signale für den DAX kommen derweil von der Inflationsfront. Die Hersteller senkten ihre Preise im Dezember bereits den dritten Monat in Folge. Die Erzeugerpreise fielen zum Vormonat um 0,4 Prozent. Ökonomen hatten allerdings mit einem noch stärkeren Minus von 1,2 Prozent gerechnet.

“Es sieht immer mehr danach aus, dass der Inflationsgipfel hinter uns liegt. Ein großer Zinsschritt der EZB im März wird damit weniger wahrscheinlich”, erklärte Alexander Krüger, Chefökonom der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe.

Rezessionsängste drücken Kurse an Wall Street

Von der Wall Street kommen gemischte Vorgaben für den DAX-Handel. Rezessionsängste haben die US-Börsen gestern erneut ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,8 Prozent tiefer auf 33.044 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab ein Prozent auf 10.852 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,8 Prozent auf 3898 Punkte ein.

Positive Signale kamen jedoch nach US-Börsenschluss vom Start der Tech-Berichtssaison in den USA. Der Streamingdienst Netflix überraschte mit einem überraschend starken Schlussquartal und dem Zuwachs der Neukunden.

Asien-Börsen trotzen schwachen US-Vorgaben

Die asiatischen Börsen zeigten sich am Morgen trotz des Ausverkaufs an der Wall Street widerstandsfähig. Der japanische Nikkei schloss 0,6 Prozent höher bei 26.554 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,7 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,7 Prozent.

Euro stabil über 1,08 Dollar

Im frühen Devisenhandel verharrt der US-Dollar in der Nähe seines schwächsten Niveaus seit Mai. Der Euro tendiert bei 1,0837 Dollar seitwärts. Die Feinunze Gold kostet aktuell 1930 Dollar. Gestern hatte das gelbe Edelmetall bei 1935 Dollar den höchsten Stand seit acht Monaten markiert.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise haben ihre Aufschläge vom Vortag ausgebaut. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 86,50 US-Dollar. Das waren 34 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI), ebenfalls zur März-Lieferung, stieg um 36 Cent auf 80,97 Dollar.

Ersetzt Rheinmetall die scheidende Linde im DAX?

Im Zuge des Delistings des Gasekonzerns Linde an der Frankfurter Börse wird die Aktie zum 27. Februar aus dem deutschen Leitindex DAX genommen. Das teilte die Deutsche Börse gestern Abend mit. Informationen zum Nachfolger sollen am Abend des 17. Februar mitgeteilt werden. Index-Experten zufolge dürfte der Rüstungskonzern Rheinmetall den freien Platz im deutschen Leitindex erhalten.

Siemens Energy kassiert Ausblick

Siemens Energy hat wegen unerwartet hoher Garantie- und Wartungskosten bei seiner Windkrafttochter Siemens Gamesa Renewable Energy seinen Ergebnisausblick für 2023 gesenkt. Der DAX-Konzern erwartet nun nur noch eine Ergebnis-Marge vor Sondereffekten in einer Bandbreite von einem Prozent bis drei Prozent. Zuvor war der Konzern von zwei bis vier Prozent ausgegangen. Zudem dürfte der Nettoverlust nun auf Vorjahresniveau liegen und nicht wie bisher angepeilt stark sinken.

VW erwägt offenbar Kürzung von Betriebsratsgehältern

Als Reaktion auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes lässt Volkswagen einem Bericht zufolge die Gehälter etlicher Betriebsräte überprüfen. Es liefen bereits Gespräche über Gehaltskürzungen, berichtete das Nachrichtenportal Business Insider gestern unter Berufung auf Betroffene. Demnach hat VW dafür eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet.

ver.di bestreikt Post

Verbraucher in der Bundesrepublik müssen wegen eines Streiks mit Verzögerungen bei Briefen und Paketen rechnen. Die Gewerkschaft ver.di hat zu bundesweiten Protesten aufgerufen. Zuvor war auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen zwischen dem Bonner Konzern und der Gewerkschaft ohne greifbare Ergebnisse geblieben.

Cyber-Angriff auf T-Mobile US

Hacker haben sich Zugriff auf Daten von rund 37 Millionen Kunden der Telekom-Tochter T-Mobile US verschafft. Die Cyber-Attacke wurde am 5. Januar festgestellt. Mit Hilfe externer Experten sei die Quelle des Angriffs gefunden und dieser binnen eines Tages nach Bekanntwerden gestoppt worden. Derzeit gebe es keine Hinweise, dass es gelungen sei, ins System oder Netzwerk einzudringen.

Hypoport beschließt Kapitalerhöhung

Der Finanzdienstleister Hypoport will sich durch die Ausgabe neuer Aktien frisches Geld besorgen. Bei der Kapitalerhöhung strebt das Unternehmen einen Bruttoemissionserlös von etwa 50 Millionen Euro an. Die neuen Aktien würden mittels eines beschleunigten Platzierungsverfahrens angeboten, das Bezugsrecht der Aktionäre werde ausgeschlossen.

FDA-Schlappe für Alzheimer-Medikament von Eli Lilly

Dem US-Pharmakonzern Eli Lilly zufolge will die US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung seines Alzheimer-Medikaments nicht beschleunigen. Laut FDA liegen noch nicht genug Studiendaten von Patienten vor, die mindestens zwölf Monate lang behandelt wurden. Eli Lilly erklärte daraufhin, dass es im zweiten Quartal dieses Jahres Ergebnisse aus seiner Phase-3-Studie mit dem Antikörper Donanemab vorlegen will. Diese Studie, so Lilly, soll dann die Grundlage für den Antrag auf FDA-Zulassung bilden.

Netflix steigert Nutzerzahlen dank “Harry & Meghan”

Der Erfolg der Dokumentation “Harry & Meghan” und der Serie “Wednesday” beschert Netflix einen überraschend starken Kundenzuwachs. Die Zahl der Nutzer stieg im vierten Quartal um 7,66 auf 231 Millionen. Analysten hatten nur mit etwa der Hälfte gerechnet. Netflix-Aktien stiegen daraufhin im nachbörslichen US-Handel um sieben Prozent.

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