Marktbericht: Anleger nehmen Tempo raus

Marktbericht

Stand: 05.01.2023 07:39 Uhr

Nach einem starken Jahresauftakt dürfte heute zunächst Ruhe am deutschen Aktienmarkt einkehren. Der DAX steht vor einem schwachen Handelsstart.

Der Broker IG taxiert den DAX vor dem Start des Xetra-Handels 0,14 Prozent niedriger auf 14.470 Punkte. In den ersten drei Handelstagen des neuen Jahres war der deutsche Leitindex noch um gut vier Prozent gestiegen.

Inflationsdaten machen Hoffnung

Gestern hatte die Hoffnung auf ein Abflauen der Inflation den DAX angetrieben, er schloss 2,2 Prozent höher bei 14.490,78 Punkten. Nach der zuletzt deutlich gesunkenen Teuerungsrate in Deutschland ließ auch in Frankreich der Druck auf die Verbraucherpreise stärker nach als erwartet.

“Viele Anleger scheinen optimistisch hinsichtlich der globalen makroökonomischen Situation und die gute Stimmung könnte sich in dieser Woche sogar noch verstärken, wenn die nächsten wichtigen Konjunkturdaten ihnen Recht geben”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades.

Wie steht es um den US-Arbeitsmarkt?

Anleger könnten nach den jüngsten Gewinnen nun auch deshalb etwas vorsichtiger werden, weil am frühen Nachmittag Zahlen zum US-Arbeitsmarkt im Dezember veröffentlicht werden. Der ADP-Arbeitsmarktbericht gilt als Indikator für die monatlichen offiziellen Beschäftigungszahlen, die am Freitag der konjunkturelle Höhepunkt der Woche sind.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Einflussfaktor für die Geldpolitik der US-Notenbank Fed, die die Zinsen weiter erhöhen dürfte. Tempo und Ausmaß der Zinserhöhungen wiederum sind gegenwärtig die entscheidende Stellschraube für das Geschehen an den Aktienmärkten.

Wall Street kommt voran

Positiv könnte heute jedoch ins Gewicht fallen, dass die Fed in den jüngsten Protokollen nach einer Serie aggressiver Zinsschritte im Kampf gegen die Inflation für 2023 ein langsameres Tempo bei der Straffung ihrer Geldpolitik signalisierte. Allerdings hieß es darin auch, dass eine “ungerechtfertigte Lockerung der finanziellen Bedingungen” die Bemühungen zur Wiederherstellung der Preisstabilität erschweren würde.

Der US-Leitindex Dow Jones hatte gestern 0,4 Prozent höher auf 33.269 Punkten geschlossen. Der technologielastige Nasdaq rückte 0,7 Prozent auf 10.458 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,8 Prozent auf 3852 Punkte zu.

Kursgewinne in China

Hoffnung auf das Ende der großen Zinsschritte der Fed und auf eine schnelle Erholung Chinas nach der Corona-Infektionswelle geben vielen Anlegern in Asien neuen Mut. “Die Wiedereröffnung Chinas hat einen großen Einfluss… weltweit”, sagte Joanne Goh, Anlagestrategin bei der DBS Bank in Singapur. Sie kurbele nicht nur den Tourismus und den Konsum an, sondern könne auch einige der Lieferkettenengpässe im Jahr 2022 beheben.

Der japanische Nikkei-Index schloss 0,4 Prozent höher bei 25.820,80 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,2 Prozent und lag bei 1865 Punkten. Die Börse in Shanghai notierte 0,9 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 1,7 Prozent

Amazon streicht mehr als 18.000 Stellen

Die Entlassungswelle beim weltgrößten Online-Versandhändler Amazon fällt deutlich größer aus als zunächst angenommen. Vorstandschef Andy Jassy kündigte in einem Memo an die Beschäftigten die Streichung von mehr als 18.000 Stellen an. Im November war noch von lediglich 10.000 Jobs die Rede gewesen. Es handelt sich um den ersten größeren Personalabbau in der Geschichte des 1994 gegründeten US-Konzerns. Amazon hatte zuletzt weltweit rund 1,5 Millionen Beschäftigte, die meisten von ihnen arbeiten in der Liefer- und Lagerinfrastruktur.

Stellantis unterstützt US-Firma bei Bau von Flugtaxi

Der italienisch-französische Autobauer Stellantis will die US-Firma Archer Aviation beim Bau eines Flugtaxis unterstützen. Zudem werde Stellantis seine Beteiligung an Archer erhöhen, teilten beide Unternehmen mit. Das geplante Flugtaxi Midnight eVTOL, das vier Passagiere und einen Piloten über eine Strecke von rund 160 Kilometern befördern könne, solle ab 2024 in der Stadt Covington im US-Bundesstaat Georgia gebaut werden. Stellantis strebe eine Massenproduktion des Flugtaxis als exklusiver Vertragshersteller an.

GM gewinnt Pole-Position in den USA zurück

General Motors hat nach einem Jahr den Spitzenplatz auf dem US-Automarkt von Toyota zurückerobert. Der größte US-Autobauer verkaufte nach Angaben von gestern in seiner Heimat im vergangenen Jahr mehr als 2,2 Millionen Neuwagen und schaffte damit ein Plus von 2,5 Prozent. Der Konzern aus Detroit überholte damit den japanischen Rivalen, bei dem der Absatz um fast zehn Prozent auf 2,1 Millionen Neuwagen fiel, insbesondere das wichtige SUV-Segment verzeichnete Einbußen. GM hatte 2021 erstmals seit 90 Jahren die Pole-Position als Marktführer in den USA verloren.

Ryanair schraubt Gewinnerwartung nach oben

Europas größter Billigflieger Ryanair rechnet nach einem überraschend gut verlaufenen dritten Geschäftsquartal mit einem höheren Jahresgewinn als bisher. Nach Steuern und um Sondereffekte bereinigt sollen nun 1,325 bis 1,425 Milliarden Euro hängen bleiben, wie das Unternehmen mitteilte. Zuvor war Ryanair von 1,00 bis 1,20 Milliarden Euro ausgegangen. Voraussetzung sei, dass es keine unvorhersehbaren negativen Ereignisse gebe. Das Unternehmen rechnet für das am 30. März endende Geschäftsjahr weiterhin mit 168 Millionen Passagieren.

PC-Hersteller Dell verzichtet ab 2024 auf chinesische Chips

Der US-Computerhersteller Dell will ab 2024 keine in China hergestellten Speicherchips mehr in seinen Geräten verbauen. Das Unternehmen habe seine Lieferanten aufgefordert, die Menge in China hergestellter Komponenten in seinen Produkten zu reduzieren, da Bedenken hinsichtlich der Spannungen zwischen den USA und und der Regierung in Peking bestehen, berichtete die japanische Zeitung “Nikkei” unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

What is your reaction?

0
Excited
0
Happy
0
In Love
0
Not Sure
0
Silly

You may also like

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *