Künstliche Intelligenz: Was kann der Chatbot ChatGPT?

Hintergrund

Stand: 13.01.2023 12:25 Uhr

E-Mails schreiben, Bewerbungen und Aufsätze über Goethe – all das macht der Chatbot ChatGPT. Das Unternehmen dahinter könnte bald zu einem der wertvollsten Start-ups der Welt aufsteigen. Doch es gibt auch viel Kritik.

Von Antonia Mannweiler, tagesschau.de

In Science-Fiction-Filmen ist Künstliche Intelligenz, die mit Menschen normale Gespräche führen kann, keine bahnbrechende Erfindung mehr. Sie gehört zum Alltag. Doch von diesem Szenario – davon gehen Experten aus – sind wir noch einige Zeit entfernt.

Seit Ende November 2022 können Nutzer des Chatbots ChatGPT jedoch eine Erfahrung machen, die zumindest in diese Richtung geht: Das Computerprogramm kann Fragen zu einer Vielzahl von Themen beantworten, etwa wie weit die Sonne vom Jupiter entfernt ist oder warum Johann Wolfgang von Goethe als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter gilt. Auf Wunsch formuliert das Dialogsystem seine Texte sogar etwas humorvoller:

Goethe war ein großer deutscher Dichter und ein echtes Renaissance-Genie. Er hat Faust geschrieben, ein Drama über einen Mann, der seine Seele an den Teufel verkauft, um Wissen und Macht zu erlangen. (…) Er hatte auch eine Karriere als Beamter, aber wer hat das schon gerne?

Der Chatbot ChatGPT kann Texte übersetzen, Drehbücher schreiben, Bewerbungen, E-Mails, ganze Aufsätze oder Computercodes. Die Abkürzung “GPT” steht dabei für “Generative Pre-training Transformer”, denn gelernt hat der Chatbot die menschenähnliche Kommunikation durch unzählige Streifzüge durch das Internet und das Lesen von zahlreichen Texten.

Elon Musk und Peter Thiel als Geldgeber

Hinter der Entwicklung des Chatbots steckt das KI-Forschungslabor OpenAI aus Kalifornien. Seine Gründung finanzierten 2015 prominente Geldgeber aus dem Silicon Valley, etwa Tesla-Chef Elon Musk, Techinvestor Peter Thiel und LinkedIn-Co-Gründer Reid Hoffman. Auch Sam Altman, der das Unternehmen mittlerweile leitet, zählte zu den Investoren, die dem Unternehmen für den Projektstart eine Milliarde Dollar zuschossen.

OpenAI wurde mit dem Ziel gegründet, die digitale Intelligenz voranzutreiben. Ein anderer Gedanke bestand darin, eine führende Forschungseinrichtung zu haben, sobald die Künstliche Intelligenz auf menschlicher Ebene in Reichweite kommen sollte.

Ursprünglich als gemeinnützige Organisation gedacht, gab OpenAI diesen Status vier Jahre später wieder auf – um besser an Kapital zu kommen. Einige werfen dem Unternehmen vor, seine Ideale damit über Bord geworfen zu haben.

Vom ursprünglichen Ziel, Werte für alle und nicht für Aktionäre zu schaffen, hat sich OpenAI entfernt. Nur kurze Zeit nach dem Ende der Gemeinnützigkeit zahlte Microsoft 2020 eine Milliarde Dollar an das Unternehmen für die exklusive Lizenzierung der OpenAI-Technologie. Bei der Partnerschaft um technische Möglichkeiten, “von denen wir uns die meisten noch nicht einmal vorstellen können”, schrieb Microsoft damals.

Mögliches Milliardengeschäft mit Microsoft

Nun könnte Microsoft diese Partnerschaft mit einem Milliardendeal noch weiter ausbauen. Das berichtete kürzlich das US-Nachrichtenportal “Semafor”. Eine mögliche Beteiligung Microsofts im Wert von zehn Milliarden Dollar ist demnach im Gespräch. Die Bewertung des KI-Unternehmens würde sich damit auf stolze 29 Milliarden Dollar erhöhen, wodurch OpenAI zu einem der wertvollsten Start-ups der Welt würde. Bis die Anfangsinvestition von Microsoft wieder hereingeholt wird, soll der Konzern “Semafor” zufolge 75 Prozent aller Gewinne von OpenAI erhalten. Demnach könnte Microsoft mit 49 Prozent nahezu die Hälfte des Unternehmens gehören.

Derzeit kostet das Geschäft von OpenAI viel Geld. Mitgründer und OpenAI-Chef Sam Altman schrieb bei Twitter, dass das Unternehmen bei jeder Verwendung des Chatbots ein paar Cent für die Rechenleistung zahle. Gegenüber Investoren soll das Unternehmen von erwarteten Einnahmen für 2023 in Höhe von 200 Millionen Dollar gesprochen haben, im kommenden Jahr rechnet es laut Nachrichtenagentur Reuters sogar mit Einnahmen von einer Milliarde Dollar. Inwiefern dies jedoch die Kosten deckt, ist unklar.

Bald Teil der Suchmaschine?

Microsoft soll dabei dem Technologieportal “The Information” zufolge an einer neuen Version der Suchmaschine “Bing” arbeiten. Offenbar ist die Idee, dass diese die Technologie von ChatGPT nutzen soll, um mit der Google-Suchmaschine konkurrieren zu können. Ohnehin könnte Microsoft mit der Kooperation stärker in das Feld der Künstlichen Intelligenz vordringen, das auch vom Google-Mutterkonzern Alphabet verfolgt wird. Der Tech-Riese soll außerdem darüber nachdenken, Funktionen von OpenAI in Programme wie Outlook oder Word zu integrieren.

Elon Musk hat sich bereits 2018 aus dem Unternehmen zurückgezogen, um mögliche Interessenkonflikte mit dem vom ihm geführten Elektroautohersteller Tesla zu vermeiden, der sich ebenfalls mit Künstlicher Intelligenz befasst. Seitdem hat Musk immer wieder Kritik an OpenAI geäußert, etwa zur mangelnden Transparenz oder dem Ende der Gemeinnützigkeit.

New Yorks Schulen blockieren Webseite

Kritik an dem Chatbot, bei dem es sich aktuell nur um eine Testversion handelt, gibt es auch von anderer Seite. Nur eine Woche nach der Veröffentlichung von ChatGPT hatten bereits eine Million Nutzer die Plattform ausprobiert, darunter auch zahlreiche Schüler und Studenten, bei denen es sich herumgesprochen hatte, dass der Chatbot Aufsätze und Hausarbeiten in Sekunden schreibt. In New York hat man bereits darauf reagiert. Dort wird der Zugang zur Website an öffentlichen Schulen mittlerweile geblockt. Und auch an anderen Schulen und Universitäten weltweit wird darüber diskutiert, wie mit dem Chatbot umzugehen sei.

Besonders schwer wiegen Anschuldigungen, dass ChatGPT schlichtweg Dinge erfindet, die Unwahrheit schreibt beziehungsweise zur massiven Verbreitung von Falschinformationen beiträgt. Fragt man den Chatbot selbst danach, ob er jede Frage beantworten kann, verneint er dies.

Als Sprachmodell bin ich trainiert worden, auf eine große Menge an Texten im Internet zu reagieren und mögliche Antworten zu generieren, ich habe jedoch nicht die Fähigkeit, jede Frage zu beantworten, da ich nicht über alle Informationen verfüge. Ich werde mein Bestes tun, um Ihre Fragen zu beantworten, aber es gibt bestimmte Fälle, in denen ich keine Antwort habe oder die Antwort nicht sicher sein kann.

Letztlich ist der Chatbot nur so verlässlich wie die Daten, mit denen er gefüttert wird. So ist das Programm aktuell auf dem Stand der Daten von 2021. In einer früheren Version, GPT-2, war der Chatbot so gut darin, gefälschte Nachrichten zu verfassen, dass OpenAI beschloss, sie nicht zu veröffentlichen.

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