Kinder-Arzneimittel: Durchbruch beim Kampf gegen Lieferengpässe

Exklusiv

Stand: 10.01.2023 06:00 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach hatte versprochen, den Mangel bei Kinderarzneimitteln schnell zu beheben. Doch seine Pläne waren zunächst nicht mit den Krankenkassen abgesprochen. Nun gibt es nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios eine Lösung.

Von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio

Leere Schubladen in Apotheken, wo eigentlich fiebersenkende Mittel für Kinder liegen sollten. Verzweifelte Eltern, die nach Holland fahren, um sich dort mit Medikamenten für ihre kranken Kinder einzudecken. Solche Zustände hatten Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im Dezember unter Druck gesetzt.

Nadine Bader ARD-Hauptstadtstudio

Mit einem Eckpunktepapier wollte Lauterbach besonders für Kinder eine schnelle Lösung präsentieren. So sollten die Preisregeln bei wichtigen Arzneimitteln für Kinder gelockert werden. Die Krankenkassen wollte Lauterbach anweisen, für Kinderarzneimittel bis zu 50 Prozent mehr als den aktuellen Festbetrag zu zahlen. “Die kurzfristige Wirkung bei den Kindern wird unmittelbar eintreffen”, hatte er gesagt und damit für Verwirrung gesorgt.

Festbeträge sollen kurzfristig ausgesetzt werden

Denn vom GKV-Spitzenverband hieß es kurz darauf, es gebe noch keine klare rechtliche Grundlage, die Mehrkosten bei den Kinderarzneimitteln zu tragen. Die Festbeträge würden nach einem im Sozialgesetzbuch festgelegten Verfahren bestimmt, das die GKV nicht einfach umgehen könne.

Nun zeichnet sich doch eine zeitnahe Lösung ab. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios sollen die Festbeträge für bestimmte Fertigarzneimittel für Kinder mit den Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol sowie für Antibiotika, die als Zäpfchen oder in flüssiger Anwendungsform vorliegen, ab Februar 2023 für drei Monate komplett ausgesetzt werden.

Mögliche Aufzahlungen sollen kurzfristig wegfallen

“Damit schaffen wir die Voraussetzungen, dass einer weiteren Verschärfung der angespannten Versorgungslage mit Kinderarzneimitteln kurzfristig entgegengewirkt werden kann”, heißt es von der GKV. Die Regelung kann erst ab Februar gelten, damit die datentechnische Umsetzung in den Apotheken abgestimmt und gewährleistet werden kann.

Die Aussetzung der Festbeträge betrifft insgesamt 180 Kinderarzneimittel, darunter unter anderem Ibuprofen-Säfte, Paracetamol-Zäpfchen und Antibiotika. Für Pharmafirmen könnte die Regelung ein Anreiz sein, aufgrund höherer Preise mehr zu liefern. Für Versicherte hat die Regelung zur Folge, dass mögliche Aufzahlungen kurzfristig wegfallen. Aufzahlungen sind die Differenz zwischen dem von den Krankenkassen bisher übernommenen Festbeträgen und möglichen höheren Apothekenverkaufspreisen.

Künftig keine Rabattverträge mehr für Kinderarzneimittel

In dem im Dezember vorgelegten Eckpunktepapier sieht Lauterbach neben den kurzfristigen Maßnahmen für Kinderarzneimittel vor, den Kostendruck bei der Produktion von patentfreien Medikamenten langfristig zu verringern. Denn die Krankenkassen schließen für viele Arzneimittel bisher Rabattverträge mit dem günstigsten Anbieter. Zur Vermeidung von Lieferengpässen soll es für Arzneimittel für Kinder künftig keine Rabattverträge mehr geben.

Bei patentfreien Arzneimitteln auch für Erwachsene, etwa Antibiotika oder Arzneien gegen Krebs, soll die Wirkstoffproduktion in der EU gestärkt werden. Künftig soll deshalb nicht wie bisher nur der billigste Anbieter zum Zug kommen. Stattdessen soll bei wichtigen Arzneimitteln neben dem günstigsten Anbieter aus dem nicht-europäischen Ausland stets auch der günstigste Hersteller aus der EU berücksichtigt werden. Für rabattierte Arzneimittel ist zudem eine mehrmonatige Lagerhaltung vorgesehen. Bisher sind es jedoch nur Eckpunkte. Ein konkreter Gesetzentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium steht noch aus.

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