In der EU 2022 so wenige Neuwagen verkauft wie zuletzt 1993

Stand: 18.01.2023 12:09 Uhr

Für den europäischen Automarkt war das Jahr 2022 das schwächste seit fast 30 Jahren. Die Zulassungen in Europa für neue Pkw sanken um 4,6 Prozent im Vergleich zum ohnehin schwachen Vorjahr.

In der EU sind im vergangenen Jahre so wenige Pkw neu auf die Straßen gekommen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Im Gesamtjahr wurden mit 9,3 Millionen Autos 4,6 Prozent weniger zugelassen als im ohnehin schwachen Vorjahr. 1993 hatte der Absatz bei 9,2 Millionen Neuwagen gelegen.

Hauptgrund für die niedrigen Zahlen 2022 waren die Lieferengpässe. Autohersteller in Europa klagten vor allem über eine mangelhafte Teileversorgung unter anderem bei Elektronikchips. Diese Mängel wirkten sich laut ACEA vor allem in der ersten Jahreshälfte aus. Ab August legte der Absatz dann wieder kräftig zu. Im Dezember seien die Zulassungen zwar den fünften Monaten in Folge gestiegen, und zwar um fast 13 Prozent – in Deutschland sogar 38,1 Prozent mehr. Doch reichte das nicht aus, den Einbruch des ersten Halbjahres auszubügeln.

Fast zehn Prozent weniger Neuwagen in Italien

Während der Automarkt in Deutschland im Gesamtjahr ein kleines Plus von einem Prozent schaffte, verzeichneten die anderen großen europäischen Länder deutliche Einbußen. In Italien rollten fast zehn Prozent weniger Neuwagen auf die Straßen, in Frankreich knapp acht Prozent und in Spanien gut fünf Prozent weniger.

Marktführer in der EU war mit gut einer Million Autos weiter die Volkswagen-Kernmarke VW Pkw. Die VW-Gruppe insgesamt lag mit rund 2,3 Millionen Wagen auch bei der Konzernsicht an der Spitze vor der Peugeot-, Fiat- und Opel-Mutter Stellantis (1,8 Millionen Pkw). Der Renault-Konzern lag mit knapp 985.000 Autos auf Rang drei. BMW kam mit allen Marken auf 624.940 Neuanmeldungen, Mercedes-Benz auf 549.023.

Wie geht es 2023 weiter?

Im vergangenen Monat waren in Deutschland wegen des Rückgangs der staatlichen Förderung in diesem Jahr besonders viele E-Autos zugelassen worden. Die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland stiegen um 115 Prozent. Autoexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY bezeichnet den Boom im Dezember aber als Strohfeuer – “die sinkende Förderung und hohe Strompreise werden wir im neuen Jahr deutlich spüren, vor allem im niedrigeren Preissegment, wo die staatliche Förderung besonders wichtig ist.“

Fuß blickt mit Pessimismus auch auf das laufende Jahr: Zwar werde die Verfügbarkeit von Neuwagen in den kommenden Monaten ein immer geringeres Problem, doch: “Die Konjunktur schwächelt, und selbst wenn die befürchtete Rezession ausbleibt, bleiben Unternehmen und Privatleute bei Neuwagenbestellungen zurückhaltend.” Es spreche daher viel dafür, dass im neuen Jahr die Nachfrage nach Neuwagen weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau liegen werde.

Für das laufende Jahr erwarten Analysten eine leichte Erholung. So prognostiziert der Investmentberater Evercore ISI drei bis vier Prozent Wachstum. Die aufgestaute Nachfrage bleibe hoch, denn staatliche Programme sorgten für finanzielle Entlastung der Verbraucher von hohen Energiekosten.

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