Globale Krisen dominieren Weltwirtschaftsforum in Davos

Stand: 17.01.2023 15:54 Uhr

Die Stimmung ist gedrückt in den Schweizer Bergen, beim Weltwirtschaftsforum von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Globale Krisen bestimmen die Agenda – und Forderungen nach mehr Hilfe für die Ukraine.

“Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt” lautet das Motto des Weltwirtschaftsforums, bei dem 52 Staats- und Regierungschefs und Hunderte Vorstandsvorsitzende aus der Wirtschaft beraten. Eines der dominierenden Themen ist auch in diesem Jahr der russische Angriffskrieg auf die Ukraine.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versicherte, die “unerschütterliche Unterstützung der Europäischen Union für die Ukraine werde nicht nachlassen. Von der Hilfe bei der Wiederherstellung der Strom-, Wärme- und Wasserversorgung bis hin zur Vorbereitung langfristiger Wiederaufbaubemühungen”, sagte von der Leyen in Davos. “Wir sind dabei – so lange wie nötig und stehen an der Seite unserer ukrainischen Freunde.”

Gestern hatte von der Leyen angekündigt, dass die EU der Ukraine eine neue Hilfstranche von drei Milliarden Euro auszahlen werde. Ab März sind dann monatliche Tranchen von jeweils 1,5 Milliarden Euro geplant.

Druck auf Bundesregierung wegen “Leopard”-Panzern

In der Diskussion um eine mögliche Lieferung von “Leopard”-Kampfpanzern an die Ukraine haben Vertreter mehrerer EU-Länder in Davos den Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz erhöht. Die Präsidenten Polens und Litauens sowie der finnische Außenminister drängten Scholz dazu, die Lieferung von “Leopard”-Panzern an die Ukraine schnell zu genehmigen.

Der polnische Präsident Andrzej Duda verwies darauf, dass sein Land zur Lieferung von rund 14 Leopard-Panzern bereit sei. Dafür sei aber die Genehmigung vom Herstellerland Deutschland nötig. Litauens Präsident Gitanas Nauseda verglich den Krieg in der Ukraine mit einem Schachspiel. Deutschland sei nun an der Reihe, einen Zug zu machen. Jemand müsse die Führung übernehmen und “die Entscheidung treffen, die Ukraine zu unterstützen”. Die Panzer würden zu einem “sehr strategischen Faktor” in dem Krieg, sagte Nauseda.

Auch Finnland unterstützt nach Angaben von Außenminister Pekka Haavisto die Lieferung schwerer Panzer. “Wir hoffen, dass das in die Tat umgesetzt wird”, sagte Haavisto. Bundeskanzler Scholz hatte sein Nein zur Lieferung von Kampfpanzern bisher unter anderem damit begründet, dass es keinen deutschen Alleingang geben solle.

Selenskyjs Frau warnt vor Ausweitung des Krieges

Die Ehefrau des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Olena Selenska, hat auf dem Weltwirtschaftsforum eine geeinte Front der Weltgemeinschaft gegen Russland gefordert. “Es ist Einheit, die Frieden zurückbringen kann”, sagte Selenska in dem Schweizer Skiort und warnte davor, dass sich der Krieg auch über die Grenzen ihres Landes ausweiten könnte.

Selenska schilderte, wie verzweifelte Eltern in der Ukraine zusehen müssten, wie Ärzte um das Leben ihrer Kinder kämpften, und wie Bauern Angst hätten, wieder auf ihre Felder zu gehen, weil dort Minen gelegt worden seien. Auch auf die Gefahr einer möglichen Atomkatastrophe ging die ukrainische Präsidentengattin ein. “Wir können nicht erlauben, dass es zu einem weiteren Tschernobyl kommt”, sagte sie. Am Nachmittag soll auch Präsident Selenskyj per Video in Davos zugeschaltet werden.

Raus aus dem “Krisen-Denkschema”

Hunderte Regierungsvertreter, Konzernchefs, Akademiker und Aktivisten diskutieren in Davos nicht nur über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, sondern auch über den Klimawandel und andere drängende Krisen. In Gesprächsrunden standen so unterschiedliche Themen wie Gleichberechtigung, der Kampf gegen Plastikmüll und Tuberkulose oder die Chancen durch die Klimawende auf dem Programm.

Weltwirtschaftsforum-Geschäftsführer Alois Zwinggi sprach von einem “multidimensionalen Gefahrenumfeld im Moment”. Die Stimmung sei gedrückt, so der Gründer des Forums, Klaus Schwab. Alle steckten in einem “Krisen-Denkschema”. Davos solle nun dazu beitragen, diese Denkweise zu ändern.

Mit Informationen von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf.

What is your reaction?

0
Excited
0
Happy
0
In Love
0
Not Sure
0
Silly

You may also like

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *