Finnland würde auch ohne Schweden der NATO beitreten

Stand: 24.01.2023 10:35 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat es erneut abgelehnt, für einen NATO-Beitritt Schwedens zu stimmen. Als Reaktion erklärte Finnlands Außenminister jetzt, dass sein Land notfalls auch ohne den Nachbarn dem Bündnis beitreten könne.

Nach drastischen Aussagen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu Schwedens Chancen auf die Aufnahme in die NATO zeigt sich Finnland erstmals offen, dem Bündnis unter Umständen auch ohne seinen nordischen Partner beizutreten.

Finnland könnte gezwungen sein, einen NATO-Beitritt ohne seinen langjährigen Verbündeten Schweden in Betracht zu ziehen, sagte Außenminister Pekka Haavisto dem finnischen Rundfunksender Yle. Natürlich sei es mit Blick auf die Sicherheit der beiden Länder nach wie vor die absolut erste Option, weiter gemeinsam voranzukommen, sagte Haavisto.

Finnlands Außenminister Pekka Haavisto reagierte auf die jüngsten Aussagen aus der Türkei. Bild: AFP

Man müsse jedoch bereit sein, die Situation neu zu bewerten, wenn sich herausstelle, dass der schwedische NATO-Antrag langfristig festhänge. Es sei noch zu früh, dazu Stellung zu beziehen.

Die Türkei blockiert seit Monaten

Erdogan hatte am Montagabend angesichts der Koran-Verbrennung durch einen islamfeindlichen Provokateur in Stockholm gesagt, Schweden könne nicht mit der Unterstützung der Türkei für einen NATO-Beitritt rechnen. “Wenn ihr der türkischen Republik oder dem religiösen Glauben der Muslime keinen Respekt zollt, dann könnt ihr von uns in Sachen NATO auch keine Unterstützung bekommen”, sagte er in Ankara.

Haavisto sagte dazu, bei solchen Protestaktionen werde mit der Sicherheit Finnlands und Schwedens gespielt. Das NATO-Mitglied Türkei blockiert seit Monaten die NATO-Aufnahme Schwedens und Finnlands. Sie wirft vor allem Schweden unter anderem Unterstützung von “Terrororganisationen” wie der kurdischen Arbeiterpartei PKK vor und fordert die Auslieferung etlicher Personen, die Ankara als Terroristen betrachtet.

Haavisto plädiert für Auszeit der Gespräche

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters plädierte Finnlands Außenminister für eine Unterbrechung der Gespräche: “Eine Auszeit ist erforderlich, bevor wir zu den Dreiergesprächen zurückkehren und sehen, wo wir stehen, wenn sich der Staub nach der gegenwärtigen Situation gelegt hat.”

Es sollten jedoch noch “keine Schlussfolgerungen” gezogen werden, sagte Haavisto. “Ich denke, es wird für ein paar Wochen eine Unterbrechung geben.”

Alle 30 NATO-Mitglieder müssen die Anträge auf eine Mitgliedschaft ratifizieren, 28 haben das bereits getan – nur die Türkei sowie Ungarn fehlen noch. Nur mit Zustimmung des NATO-Landes Türkei könnte Schweden in das Verteidigungsbündnis aufgenommen werden.

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