Fehlerhafte Datei sorgte für Chaos im US-Luftverkehr

Stand: 12.01.2023 05:58 Uhr

Laut der US-Luftfahrtbehörde war eine fehlerhafte Datei Schuld an dem Systemausfall, der am Mittwoch zu einem 90-minütigen Stopp aller Inlandsflüge geführt hatte. Hinweise auf einen Cyberangriff gebe es zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Die Störung im US-Flugverkehr ist nach ersten Erkenntnissen der Luftfahrtbehörde offenbar auf eine fehlerhafte Datenbankdatei zurückzuführen. Hinweise auf einen Hackerangriff gebe es nicht, teilte die FAA mit. Die Untersuchungen liefen aber noch.

Die fehlerhafte Datei habe nicht nur das Hauptsystem betroffen, sondern auch das Backupsystem, sagten mit den Untersuchungen vertraute Personen.

90-minütiger Stopp aller Inlandsflüge

Verkehrsminister Pete Buttigieg sagte bei CNN, nach dem Ausfall des zur Flugvorbereitung für Piloten wichtigen Systems Notam (Notice to Air Missions) sei das Notfallsystem zwar angesprungen. Es habe aber Zweifel gegeben, ob es einwandfrei laufe. Daher sei ein kompletter Neustart nötig geworden, der die FAA zu dem 90-minütigen Stopp aller Inlandsflüge veranlasst habe.

Bislang waren aufgrund der Störung 9600 Flüge verspätet, über 1300 wurden gestrichen, wie aus Daten des Flug-Trackers FlightAware hervorging. Die Zahl könnte aber noch steigen, noch gibt es Beeinträchtigungen. Die Fluggesellschaften rechnen damit, dass der Flugverkehr heute wieder normal laufen dürfte. Die Auswirkungen auf Langstreckenflüge zwischen den USA und Europa waren gering.

System informiert über Einschränkungen und Gefahren

Über Notam informieren sich Piloten über planmäßige Einschränkungen und kurzfristige Gefahren auf der Route oder Änderungen im technischen Ablauf an Flughäfen. So erfahren sie zum Beispiel, ob es Luftraumsperrungen nach Vulkanausbrüchen oder aufgrund von Militärkonflikten gibt, wie es in Europa zurzeit wegen des Ukraine-Krieges der Fall ist.

Früher lief Notam noch über das Telefon und auch am Dienstagabend (US-Ostküstenzeit), als es ausfiel, musste wieder auf eine Telefon-Hotline umgestellt werde. Über Nacht ging das noch gut, doch am Morgen war das Flugaufkommen so nicht mehr zu bewältigen.

Veraltetes, anfälliges Computersystem

Erst über Weihnachten waren in den USA wegen eines Wintersturms und fehlenden Besatzungen bei Southwest Airlines Hunderte Flüge gestrichen worden. Experten sagten allerdings, sie glaubten nicht, dass es schon einmal durch ein technologisches Problem zu einem solchen massiven Flugausfall gekommen sei. “Ich kann mich nicht erinnern, dass das Notam-System jemals so zusammengebrochen ist”, sagte John Cox, ein ehemaliger Airline-Pilot und jetziger Berater für Flugsicherheit. “Ich fliege seit 53 Jahren.”

Ähnlich äußerte sich auch der der frühere American-Airlines-Spitzenmanager Tim Campbell. “Periodisch hat es hier und da örtlich begrenzte Probleme gegeben, aber das hier ist historisch ziemlich bedeutsam” sagte er. Bedenken wegen des Notam-Systems habe es bereits seit Längerem gegeben. Es sei zwar grundsätzlich verlässlich, aber einfach veraltet, sagte Campbell.

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