Auswärtiges Amt rät von China-Reisen ab

Stand: 07.01.2023 14:28 Uhr

Nach drei Jahren Abschottung öffnet China morgen seine Grenzen – trotz hoher Corona-Fallzahlen. Das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen ab. Für Einreisende aus China gelten verschärfte Regeln.

Einen Tag vor der Grenzöffnung Chinas rät das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen in die Volksrepublik ab. “Die Infektionszahlen in China befinden sich derzeit auf dem höchsten Stand seit Beginn der Pandemie 2020”, schreibt das Amt in einer Mitteilung auf seiner Webseite. “Das chinesische Gesundheitssystem ist überlastet, auch die ausreichende Versorgung in medizinischen Notfällen ist davon betroffen.” Auch auf Twitter warnte das Amt:

Stichprobenartige Tests

Das Land wird zudem ab Montag als “drohendes Virusvariantengebiet” eingestuft. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass die Formulierung “drohen” eine neue Kategorie in der Einstufung von Virusvariantengebieten sei. Damit sei eine Nachweispflicht in Form von Antigen- oder PCR-Tests verbunden.

Das Kabinett hatte außerdem beschlossen, dass bei der Einreise stichprobenartige Testungen möglich sind. Deutschland will, wie andere Länder, außerdem das Abwasser von Flugzeugen aus China auf mögliche neue Coronavirus-Varianten untersuchen.

Keine große Reisewelle erwartet

Auch nach drei Jahren Abschottung Chinas dürfte es noch Monate dauern, bis sich der Reiseverkehr wieder normalisiert. Eine große Reisewelle wird nicht erwartet.

Die Zahl der Flüge von China ins Ausland liegt gegenwärtig nur bei rund zehn Prozent des Volumens vor der Pandemie. Die Tickets sind sehr teuer. Auch müssen Touristen hinten anstehen: Zwar wollen die Behörden jetzt wieder Reisepässe ausstellen oder verlängern, doch vorrangig nur für Geschäfts- und Studienreisen.

Umgekehrt wollen Chinas Botschaften wieder mehr Visa vergeben. Aber auch hier haben Geschäfts-, Arbeits- oder Studienaufenthalte und Familienbesuche Vorrang. Die Zahl der internationalen Flüge soll sich im ersten Halbjahr 2023 nur zumindest verdoppeln, wie Staatsmedien berichten.

Auch China verlangt negativen PCR-Test

Vor allem entfällt die strikte Quarantänepflicht bei der Einreise nach China. Zeitweise hatten Reisende nach China drei Wochen in strenger Quarantäne in einem Hotelzimmer verbringen müssen. Zuletzt wurden noch fünf Tage plus drei Tage Isolation daheim verlangt.

Unverändert fordert auch China einen negativen PCR-Test 48 Stunden vor Abflug. Wer positiv getestet wird, darf nicht anreisen. Es muss aber keine eigene Einreiseerlaubnis mehr bei Botschaften beantragt, sondern nur noch eine Gesundheitserklärung vorgelegt werden.

Schätzungen: 1,7 Millionen Corona-Tote bis Ende April

Die Öffnung des Landes folgt einen Monat auf die abrupte Kehrtwende in der seit Anfang 2020 verfolgten rigorosen Null-Covid-Strategie, die mit Lockdowns für Millionen Menschen, Massentests und Zwangsquarantäne umgesetzt worden war. Nachdem sich trotzdem neue Omikron-Varianten explosionsartig ausgebreitet und die zweitgrößte Volkswirtschaft zunehmend unter den Maßnahmen gelitten hatte, gab Chinas Regierung am 7. Dezember ihre Null-Covid-Politik komplett auf.

Begründet wurde der Kurswechsel mit leichteren Krankheitsverläufen. Seither rollt eine massive Infektionswelle durch China, die Krankenhäuser völlig unvorbereitet traf. Nach Schätzungen des in London ansässigen Datenverarbeiters Airfinity infizieren sich in China gegenwärtig jeden Tag 2,5 Millionen Menschen, während täglich 16.600 sterben. Nach diesen Schätzungen soll es schon 209.000 Tote gegeben haben. Bis Ende April könnte die Zahl der Corona-Toten den Hochrechnungen zufolge auf 1,7 Millionen anwachsen.

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