Abschied vom früheren Papst Benedikt XVI.

Stand: 05.01.2023 06:47 Uhr

In Rom findet heute die Trauerfeier für Benedikt XVI. statt – 100.000 Menschen werden dazu erwartet. Obwohl Benedikt emeritierter Papst war, ist vieles, wie bei einer Trauerfeier für einen amtierenden Papst.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Schutzgitter wurden aufgestellt, Tribünen aufgebaut, Stühle hergerichtet. In den vergangenen Tagen war einiges los auf dem Petersplatz. “Ich war schon bei ähnlichen Ereignissen dabei – und es lohnt sich, auch wenn es lange dauert und viele Menschen da sind. Ich bin froh, hergekommen zu sein”, sagt Giorgio. Er ist aus Lucca in der Toskana angereist, um bei der Trauerfeier dabei sein zu können.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

“Es ist ein Moment, in dem viele Personen gemeinsam beten”, so der 31-Jährige. “Man nimmt von einem großen Mann Abschied, und dann ist man noch in dieser wunderbaren Stadt Rom.”

“Im Augenblick seines Todes quasi wieder Papst”

Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrhunderten hält wieder ein Papst das Requiem für seinen Vorgänger. Auch wenn das mehr als ungewöhnlich ist, so entspreche doch die Liturgie weitgehend der für einen amtierenden Papst, sagt Gudrun Sailer von Vatican News. Anders seien nur die Lesungen und einige wenige Gebete.

“Aber die Vatikanmünzen aus seinem Pontifikat als Grabbeigaben, seine Pallien – also diese Wollstolen, die Erzbischöfe tragen – und die drei ineinander verschachtelten Särge. Das ist alles so, als wäre Benedikt als amtierender Papst verstorben”, erklärt Sailer. “Und das ist schon bemerkenswert, denn das heißt, dass Benedikt im Augenblick seines Todes quasi wieder Papst geworden ist. Also hier wird ein Papst zu Grabe getragen.”

Historischer Wendepunkt vor zehn Jahren

Mit 95 Jahren war Benedikt XVI. am Silvestermorgen gestorben. Zehn Jahre lang hatte er im Kloster Mater Ecclesiae als emeritierter Papst gelebt. Bei der Generalaudienz am Mittwoch würdigte ihn Franziskus als großen Meister der Glaubensvermittlung:

Sein scharfes und höfliches Denken war nicht selbstbezogen, sondern kirchlich, denn er wollte uns immer zur Begegnung mit Jesus begleiten. Jesus, der auferstandene Gekreuzigte, der Lebendige und der Herr – das war das Ziel, zu dem uns Papst Benedikt führte, indem er uns an die Hand nahm.  

Etwa 100.000 Menschen werden zu der Trauerfeier auf dem Petersplatz erwartet. Es ist ein historisches Ereignis. Auch wenn der grundlegende Einschnitt bereits früher stattgefunden habe, so der Vatikanexperte Iacopo Scaramuzzi von der römischen Tageszeitung “La Repubblica”.

Die Zäsur sei vor zehn Jahren passiert – mit dem historischen, revolutionären Rücktritt von Benedikt XVI. “Das war in der Tat ein Wendepunkt.” Seitdem habe man ein beispielloses Zusammenleben eines amtierenden und eines emeritierten Papstes erlebt.

“Etwas fürs Leben”

Nach der Trauerfeier wird Benedikt in der Papstgruft unter dem Petersdom bestattet. Aus Deutschland reisen die Vertreter aller Verfassungsorgane an, so etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz. Aus Bayern kommt Ministerpräsident Markus Söder.

Auch viele Pilger haben sich aus der Heimat des gebürtigen Bayern Joseph Ratzinger auf den Weg gemacht. So wie Peter aus der Region um den Chiemsee. “Das machen wir halt einfach so als letzte Ehre erweisen – und für uns, das muss ich sagen. Auch weil’s ein wirklich schönes Erlebnis ist. Das ist etwas fürs Leben, was man mit nach Hause nimmt.”

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